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Greif nach
dem Wind, fang ihn ein.
Lass keinen Sturm und keine Brise mehr wehn.
Fass dir in Nord und Süd und West alle Böen
und sperr sie irgendwo hinein.
Und wenn kein Vogel mehr fliegt,
wenn alles still ist und die Luft um dich steht,
wenn sich am Horizont kein Segel mehr bläht,
dann hast du wohl den Wind besiegt.
Stell dich
ans Meer - schöpf es aus.
Leer alle Ozeane und alle Seen,
und lass in keiner Bucht das Wasser mehr stehn,
und gieß es irgendwo hinaus.
Wenn dann kein Boot sich mehr wiegt
und wenn kein Fisch und keine Krabbe mehr lebt
und keine Klippe in der Brandung mehr bebt,
hast du wohl auch das Meer besiegt.
Mach dich
an Gott - greif ihn an,
mach ihn klein und setz ihn ab, mach ihn stumm,
und bring ihn auch in Menschenherzen noch um,
damit ihm niemand dienen kann.
Wann dann auch Gott nicht mehr ist,
wenn es kein Glauben und kein Hoffen mehr gibt,
wenn auf der Welt kein Mensch den andern mehr liebt,
denkst du, dass du allmächtig bist.
Und wenn
nach all deinen Mühn
sich irgendwo dann doch ein Lüftchen noch regt,
sich eine Welle in der Ferne bewegt,
dann schau noch einmal näher hin:
Ob da nicht Zeichen doch sind,
dass er weit über deinem Denken noch steht -
der Gott, um den sich alles Leben hier dreht,
und der das Meer schuf und den Wind.
Manfred Siebald (1999)